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Das MISEREOR-Hungertuch 2019/2020 „Mensch, wo bist du?“ von Uwe Appold © MISEREOR

 

Mensch, wo bist du?

 

Das MISEREOR Hungertuch 2019/2020 von Uwe Appold © MISEREOR

Meditativer Text von P. Christian Herwartz SJ

 

 

 

Das neue MISEREOR-Hungertuch hat der Flensburger Künstler Uwe Appold
entwickelt. "Mensch, wo bist du?": Mit dieser Frage sucht Gott die ersten Menschen
im Paradies. Uwe Appold lädt uns ein, im Entdecken und Entschlüsseln unsere
eigenen Antworten zu finden:
Wo stehst du und positionierst Dich? Wofür stehst du auf?
Wer bist du? Wo zeigst du Gesicht und Zivilcourage?

Auf dem Misereor Hungertuch 2019 steht ein Leuchtfeuer auf einer Landzunge.
Leuchttürme weisen den von See kommenden Schiffen den Weg zur Hafeneinfahrt
oder auf gefährliche Untiefen hin. Der Name jedes Feuers wird durch sein regelmäßig
wiederkehrendes Licht, seine Kennung deutlich. Außerdem sehen die Seefahrer das
Licht beim Vorbeifahren mit unterschiedlichen Farben und werden so auf Hindernisse
oder Untiefen aufmerksam.
Der Leuchtturm auf dem Hungertuch steht mit großer Strahlkraft auf einer Halbinsel
mit Erde aus dem Garten Gethsemane. Dort rang Jesus im Gebet um den

entscheidenden Schritt in seinem Leben. In einer halben Stunde konnte er von hier
aus in der Nacht unerkannt den Herrschaftsbereich von Herodes verlassen. Die
rettende Grenze war zum Greifen nahe. Wird er der Verhaftung ausweichen? Er
schwitzt Blut und Wasser. Wie soll er sich angesichts von Leben und Tod
entscheiden? Die Jünger in seiner Nähe schlafen ein. Ähnlich wie heute noch?
Auch auf dem Hungertuch stehen die von See Kommenden vor einer Entscheidung:
Sollen sie rechts oder links an der Landzunge vorbeifahren? Nach der Zeit auf See, wo
sie sich bei gutem Wetter an den Sternen orientieren, die auf Grund der Erddrehung
scheinbar ständig in Bewegung sind, geben die Leuchtfeuer an der Küste direkte
Hinweise auf Hafeneinfahrten oder Hindernisse auf dem Weg. Sie sind alle durch den
Rhythmus ihres Lichtes erkennbar, das in langen und in kurzen Abständen
aufleuchtet und Morsezeichen ähnlich auf ihren Standort hinweist. Diese Kennung
wird auf den Seekarten unter den Leuchtfeuern eingetragen.
Auf dem Hungertuch ist unter dem goldenen Feuerkreis ebenfalls eine Kennung
eingetragen, beginnend links mit einem roten Kreuz bis zum Christuszeichen ganz
rechts. Will das ankommende Schiff die Halbinsel backbord oder steuerbord liegen
lassen? Welcher Hafen soll angesteuert werden?
Links steht vor dem unverständlichen Schriftzug ein senkrecht gestellte
Ewigkeitszeichen. Rechts eine an die Taufe erinnernde Schale und die keinen
Schatten werfende Kleidung bis hin zu dem Christuszeichen. Wollen wir uns auf dem
Weg zum Fest der Auferstehung mit Christus mehr auf den alltäglichen Straßen
bewegen oder uns in Zeiten der Stille auf den oft unverständlichen ewig unter uns
anwesenden Gott einlassen?

www.misereor.de

 

 

 

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